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    Wandern mit dem Automobil

    Oldtimertreffen in Möschenfeld zur Eröffnung der Topolino-Garage

    Was ist froschgrün, himbeerrot oder knallrot, tuckert, stinkt und die Leute sind ganz verrückt danach?

    Die Antwort auf diese Fragen gab es jetzt in Möschenfeld. Dort eröffnete Artur Ambros seine Topolino-Garage, wo es für den Bastler und Topolinisten alles gibt, was das Herz begehrt.

    Zur Eröffnung waren ganze Scharen von Topolino-Liebhabern gekommen. Auch der "Deutsche Automobil-Veteranen-Club" DAVC, zu dem der Topolino-Club Deutschland e.V. gehört, gab sich mit ausreichend historischem Blech die Ehre

    Was sich in Möschenfeld an Nobel-, Sport- und Familienkarossen versammelt hatte, brachte sogar unbeteiligte Zuschauer ohne Hang zur Nostalgie zum Staunen. Natürlich standen die Topolinos (das Volksauto des FIAT-Konzerns) im Vordergrund der Veranstaltung.

    Artur Ambros hatte seinen lang gehegten, liebevoll restaurierten und mit dem Preis des Familienlebens bezahlten "Weinsberg", Baujahr 1939, ausgestellt und der glänzend polierten Schönheit sah man ihr Alter wahrlich nicht an. 300 Stück wurden davon einst gebaut, nicht mehr viele sind erhalten. Ähnlich geht es dem Rennwagen "Giannini" aus der Topolino-Familie. Er wurde in nur drei Exemplaren hergestellt und einer davon stand am Samstag friedlich neben dem Weinsberg.

    Von den gängigen Modellen (A,B und C, die zwischen 1936 und 1955 gebaut wurden) waren ebenfalls einige, sichtbar gepflegte dabei. Sogar vom Gardasee und aus Heidelberg kamen die Topolino-Freaks.
    Artur Ambros hat seine Liebe zum schnittigen Italiener schon während seiner Lehrzeit entwickelt. "Wir haben viele Topolinos repariert und da war es ganz klar, dass ich mit 18 einen ersten Topolino hatte. Das hat sich dann die nächsten 40 Jahre eher verstärkt als gelegt".

    Ambros gründete eine Interessensgemeinschaft und aus der entwickelte sich der heutige Verein, der nicht nur Autos vorzuzeigen hat. Auch Krawatten, Bierkrüge und andere Fanartikel gibt es dort und natürlich Ambros Ersatzteillager, das wie ein geheimer Schatz gehütet wird.

    Etwa 100.000 Topolinos sind noch weltweit unterwegs
    "und wenn sie gut gepflegt werden, sind sie eigentlich unverwüstlich", meint Ambros.

    "Die Fahrt in den älteren Modellen sei jedoch reine Liebhaberei", versicherte Georg Distler vom DAVC. Volker Bürkle, Präsident des DAVC Oberbayern fügte hinzu: "Die Faszination ist unerklärlich. Entweder hat man sie oder nicht. Die Oldtimer lehren einem jedenfalls ein anderes Reisen. Es ist ein Wandern mit dem Automobil. Man bekommt viel mehr mit. Den Geruch von Blüten und Feldern, das Gefühl von Zeit und wie die Hektik von einem abfällt".


    " Der Weg sei das Ziel", meinte Bürkle, der mit seinem Bentley von 1928 - einer rundum mit Leder verkleideten überdimensionierten rollenden Karosse - mit Vorliebe alte Pass-Straßen fährt. Sein "LeMans-Tourer" gehörte zu den ungewöhnlichsten Exemplaren des Oldtimertreffens. Gleich gefolgt von einem Motorrad Baujahr 1927.

    Die "Sahara" wurde in den schlechten Wirtschaftsjahren von der Firma FN hergestellt, die sich ursprünglich durch die Waffenfabrikation einen Namen gemacht hat. Die "Sahara" wurde auch im militärischen Auslandseinsatz gebraucht, und es ist ein Wunder, dass sich eine dieser Maschinen bis heute erhalten hat.

    Dass sich die winzigen "Schachterl-Topolinos" der 60er Jahre neben den Nobelautos von BMW, Ford, Mercedes, Chevrolet und Bentley mit Grazie behaupten konnten, grenzte an diesem Samstag Nachmittag jedenfalls an ein Wunder.


Artikel aus der Süddeutschen Zeitung von Gisela Goblisch Mai 2000